28
OKT
2020

Mal eben mit dem Mountainbike von Braunlage an die Ostsee

Servus ihr Lieben,
Hier wollen wir euch ein paar kleine Einblicke, in unsere Ostseeradtour 2020 geben.

Wie kamen wir eigentlich auf die Idee, mit dem Mountainbike an die Ostsee zu fahren?
Anfang Juni saßen wir abends bei Steffen im Garten und haben überlegt, welche Runde wir das nächste Mal fahren. Auf einmal wurde in die Runde geschmissen, warum wir nicht einfach an die Ostsee fahren und dort ein schönes Wochenende verbringen. „Mit dem Auto an die Ostsee fahren kann ja jeder“, haben wir uns gedacht. Noch am selben Abend schmiedeten wir die ersten Pläne.
Datum stand, Ferienwohnung war gebucht, Urlaub wurde eingereicht, die Route wurde erstellt und letzte Ersatzteile wurden besorgt. Am 10. September um 3:00 Uhr klingelte der Wecker, um 3:30 trafen wir uns bei Steffen auf einen Kaffee und pünktlich um 4:00 Uhr zogen wir - gespannt darauf, was wir so erleben werden und mit Licht, Essen, Wechselsachen, Flickzeug und Wasser bestückt - los. 

Keine 10km weiter begann das erste Licht schon schlapp zu machen, nach 25km das Nächste... Nichts desto trotz ging es weiter, da es schon langsam Hell wurde. Der erste kleinere Halt für 5 Minuten wurde gegen 6:45 Uhr bei Schladen eingelegt, um den Sonnenaufgang zu genießen. In Wolfenbüttel fragten wir uns dann zu einem Bäcker durch, um zu frühstücken. Leider verließen uns bei Kilometer 85 in Braunschweig Tobi und Flo, die sich bis dahin wacker geschlagen haben und sich ohne vorheriges Radtraining so weit durch gekämpft hatten. 

Nach dieser kurzen Pause ging es weiter. Raus aus Braunschweig und Richtung Elbe-Arm-Kanal, auf den wir uns fälschlicherweise gefreut hatten. Auf dem Weg dorthin schickte uns unser Navigator über einen seit gefühlt 50 Jahren unbefahrenen 500m langen Weg, der den ersten Platten zu Verschulden hatte (Danke dafür Timo). Keine 5km später erreichten wir den Elbe-Arm-Kanal und die Stimmung war super. Ein schöner Schotterweg zum Fahren, rechts von uns der Kanal und links Bäume. Schnell waren die 100km voll und die Freude groß. Nur noch etwas mehr als 70km sollten es von jetzt an bis Uelzen sein.

Schnell wurde dieser schöne Kanal zu unserem Albtraum und der Kampf mit der Psyche ging los... Immer wieder das selbe Bild und das ständige Gefühl leicht bergauf zu fahren, ließen die Kräfte schwinden und die ersten Ermüdungserscheinungen traten auf: Für Joshi war es die erste Tour über 100km und Timo hatte mit seinem Knie zu kämpfen. Jetzt hieß es die letzten 50km beißen, Kopf aus, Musik rein und medititativ aufs Hinterrad des Vordermannes konzentrieren. Gefühlt wurden es nicht weniger Kilometer und die Stimmung hatte seinen Tiefpunkt erreicht. Etwas essen und so wenig wie möglich reden war die Konsequenz. 

Doch dann kamen die letzten 10km, neue Energie wurde geschöpft und nochmals richtig in die Pedale getreten, bis wir schließlich 16:00Uhr in der Innenstadt von Uelzen ankamen. Nach 8h 40min und 173km auf dem Rad gab es endlich etwas anständiges zu essen und ab ins Hotel. Duschen, Magnesium schlucken, bei den Liebsten melden, den nächsten Tag planen, an die Hotelbar was trinken und um 20:30 ab ins Bett.

Am nächsten Morgen hieß es um 6:45Uhr kurz nochmal Reifen aufpumpen, Sachen anbringen und aufsitzen. Ach ja das aufsitzen... ein unangenehmes Gefühl der Schmerzen machte sich bei uns allen im Gesicht breit. Doch die Stimmung war gut und die Motivation die letzten 144km „wegzupedelieren“ groß. Beim Frühstück fiel uns auf, dass die 2. Tour nochmals 100km an einem Kanal entlang gehen sollte. Um den ewig gleichen Anblick zu umgehen haben wir uns dafür entschieden die Route nochmal zu ändern und planten den größten Teil entlang der Bundesstraße auf einem asphaltierten Radweg zu absolvieren. Nachdem wir 7:30 endlich los fuhren, kamen wir 40km und keine 2h später in der Lüneburger Altstadt an. Dort genossen wir unser wohlverdientes Frühstück, ehe es weiter über den schönen Lauenburger Hafen in Richtung Mölln ging. Als wir gerade so richtig im Flow waren, kam es zum ersten Sturz von unserem Joshi. Wir waren zügig unterwegs mit ungefähr 25-30km/h, auf einem relativ schmalen Radweg, als er mit Timo gemeinsam in eine rechts Kurve fuhr und vom Weg abkam (wer bremst verliert ;) ). Das Resultat war ein blutiges Knie und zum Glück nicht mehr. Nach kurzer Erstversorgung ging es dann genauso schnell weiter in Richtung Mölln. Dort machte sich das erste Gefühl von Hungers breit. Den Vorschlag von Joshi und Steffen gemütlich am Elbe-Lübeckkanal zu essen, schlug Timo mit dem Argument, dass wir gleich am Ratzeburger See wären und es da besonders schön sei aus. Ok, Also hieß es weiterfahren. Allerdings nicht wie vermutet 10km, sondern 25km - die Stimmung sank rapide. Am Ratzeburger See angekommen, bot sich allerdings keine Möglichkeit direkt ans Wasser heran zu fahren (Nochmal danke dafür Timo). Somit wurden an einer Art Kanalisation neben der Straße die Brote vom Hotel verspeist. Steffen und Joshi ließen es sich nicht nehmen ihre schlechte Laune an Timo auszulassen (Zurecht!)... Ob der unmenschliche Hunger, die Erschöpfung, die nicht ganz optimale Essens-Location oder die Schmerzen im Knie und in den Beinen der Grund dafür war? Vermutlich machte es die Mischung aus allen.

Aber allem Frust zum Trotz hieß es weitermachen. 115km lagen bereits hinter uns und nur noch 30km standen auf der Uhr. Sehr schnell erreichten wir Lübeck, wo wir einen kurzen Stopp einlegten und uns auf die letzten 15km vorbereiteten. Nach einer reichhaltigen Kaffeepause am Lübecker Hafen, folgte trotz aller körperlichen Befindlichkeiten der Endspurt - Der Strand war zum Greifen nahe! Im Eiltempo, mit weit über 30km/h, wurden die letzten Hügel überfahren und schneller als wir schauen konnten, erreichten wir nach 145km und 5h 55min Fahrzeit den Timmendorfer Strand. Das wohlverdiente Bier schmeckte - auch wenn es nur Flens war - nach 317km besonders gut. Eine halbe Stunde hieß es sitzen, versuchen das Erlebte zu verarbeiten und dann auf zur Ferienwohnung, wo man uns bereits sehnsüchtig erwartete.

Fazit der Tour?
Insgesamt saßen wir in den 2 Tagen 14h und 35min auf dem Rad. Doch auch wenn es der Wettergott stets gut mit uns meinte, der erste Tag war für die Psyche extrem hart und am zweiten Tag merkte man die Beine auch schon nach 70-80km. Doch dadurch, dass man dem Ziel spürbar näher kam und wir uns immer wieder gegenseitig pushen konnten, wurden immer wieder neue Kräfte getankt und Energiereserven gefunden. 
Und ganz wichtig: Nie wieder Elbe-Arm-Kanal!!!

Wir freuen uns auf weitere ausgiebige Radtouren, die wir hier mit euch teilen dürfen

Liebe Grüße 
eure Trainbuddys